Historisches Schloss Sommerswalde – „Der kleine Reichstag“

1891 erfüllte sich für den Berliner Grundstücksbesitzer Richard Sommer ein Traum: das letzte Gebäude seines Landsitzes wurde fertig gestellt, ein repräsentatives Schloss, errichtet nach dem ersten, nicht realisiserten Entwurf für den Berliner Reichstag.

Den Bau des Gebäudeensembles vor den Toren der Hauptstadt finanzierte er durch den Verkauf der familieneigenen Ländereien vor Berlin und der Grundstücke um das Brandenburger Tor.

Richard Sommer residierte bis zu seinem Tod im Jahr 1916 zusammen mit seiner Frau und seinen elf Kindern in Schloss Sommerswalde. Zu dem Gebäudeensemble gehören eine Orangerie, damals in Form einer Moschee erbaut, ein Forsthaus, ein neogotisches „Gesindehaus“ und ein roter Klinkerbau, der mit seinem Mittelturm und vier kleineren Ecktürmen an das RoteRathaus in Berlin erinnert.

Schloss Sommerswalde 1900

Schloss Sommerswalde um 1900

Schloss Sommerswalde heute

„Das Rote Rathaus“

Richard Sommer nutzte dieses Gebäude als Pferdestall für seine eigens aus der Türkei eingeführten Araberhengste. Im ersten Geschoss befanden sich die Angestelltenwohnungen und im Mittelturm war ein Wasserspeicher untergebracht, der das gesamte Anwesen mit Trinkwasser versorgte.

Das Rote Rathaus ist 2016 neu renoviert worden und ist nun der Wohnraum für die Bewohner von Tharpaland, der spirituellen Gemeinschaft.

„Die alte Moschee“ (The Orangerie)

Richard Sommer hatte eine Vorliebe für das Morgenland ­ nach dem Vorbild der damaligen deutschen Handelsvertretung in Delhi, Indien, ließ er die Orangerie des Schlosses in Form einer alten Moschee mit hohen Minaretten und Zwiebeldächern nachbauen. Die Steine dafür ließ er extra aus dem Orient anliefern. Auf der größten der vielen Zwiebelkuppeln befand sich ein Flügelrad zur Energiegewinnung.

Heute leben Bewohner von Tharpaland und Mieter in der Orangerie. Die Orangerie wird in der nahen Zukunft renoviert werden, um mehr Raum für Einzelretreater, die sich in ein Schweigeretreat begeben, anzubieten.

Einige Eckdaten der weiteren Geschichte Schloss Sommerswaldes:

• 1916 wurde nach Tod Richard Sommers, aufgrund von Erbstreitigkeiten das Anwesen verkauft.

• 1922 erwarb der Unternehmer, Jurist und „Stahlhelm“-Mitglied Dr. Erich Lübbert das Anwesen.

• Bis 1924 finden umfassende Umbauarbeiten statt: die Schlosskuppel wurde entfernt, sowie die Minarette und Zwiebeldächer der Orangerie

• April 1945 Einmarsch der Roten Armee, bis 1949 wurde das Schloss als russische Kommandantur genutzt

• Bis 1989 von der „FDJ“ als Pionierleiterschule „Alexej Maressjew“ genutzt

• 1989 ­ 2006 unterschiedliche Nutzung und Leerstand

• 2006 Erwerb durch die Neue Kadampa Tradition ­ Internationale Union des Kadampa-Buddhismus und Beginn der Sanierungsarbeiten

• 2008 Eröffnung des „Kadampa Meditationszentrums Deutschland“ der Neuen Kadampa­Tradition

• 2010 Brandenburgischer Denkmalpflegepreis für die vorbildliche Sanierung von Schloss Sommerswalde.

• 2012 „Tharpaland International Retreat Center“ der Neuen Kadampa Tradition zieht von Schottland nach Schloss Sommerswalde, das Schwesterzentrum “Kadampa Meditationszentrum Berlin” zieht nach Berlin Mitte und bleibt weiterhin eng verbunden mit Schloss Sommerswalde.

Heute finden Schweigeretreats, Tageskurse, Wochenendworkshops, Dharma Feiern und Festivals hier statt. Schulklassen sind willkommen, um mehr über Buddhismus zu erfahren und der wunderschöne Park lädt die Teilnehmer zum Entspannen und zur Ruhe ein.